19.05.2020 – Andacht zur Tageslosung

„So kehrt nun um von euren bösen Wegen. Warum wollt ihr sterben?“ (Hesekiel 33,11)

Steht es so schlimm um uns? Sterben ist angedroht, wenn keine Umkehr erfolgt.

Dabei steht vorher im selben Vers, dass der HERR spricht, er wolle nicht den Tod des Gottlosen.

Was ist da los? Hesekiel hat etwas Neues, für das Alte Testament geradezu Revolutionäres: Nicht mehr das gesamte Volk trägt Verantwortung, auch nicht, stellvertretend fürs Ganze, der König. Israel ist verstreut, einen König gibt es nicht mehr. 

Nun kommt es auf den Einzelnen an. Er hat den Willen Gottes – niemand soll verloren gehen – umzusetzen und auf den anderen zu achten. Das wäre die Umkehr, die Gott fordert. Anderenfalls droht der Tod.

Die Drohung zu sterben ist für uns nach Christi Tod und seiner Auferstehung nicht mehr erforderlich. Dennoch: Jeder ist für sein Tun verantwortlich, aus der Nummer kommt niemand mehr raus.

16.05.2020 – Andacht über Joseph in Ägypten

(M)eine Novelle

Die Bibel erzählt im 1. Mosebuch in den Kapiteln 37 bis 50 die Josephsgeschichte. Eine meiner Lieblingsgeschichten. Wie eine kleine Novelle. Der Erzählfaden ist gut durchkomponiert, sie wirkt fast modern – denn von Gott ist kaum die Rede. In den Träumen spricht er. Und er führt geheimnisvoll das Geschick des Helden Joseph. Aber das scheint erst am Schluss auf.

Manchmal fatal gut erzählt: Wie Joseph als rechte Hand des Pharao seine Brüder als Bittsteller empfängt, sie ihn nicht erkennen und er sich zur Seite wendet, weil er weinen muss. Das rührt mich schon.

Und als alle fröhlich vereint in Ägypten leben und die Brüder nach dem Tod des Vaters die Angst haben, nun könne sich Joseph bitter rächen für das Ungemach, das sie ihm bereitet haben: Da kommt durch seinen Mund die theologische Deutung: „Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen.“ (1. Mose 50,20) Nicht viel mehr. „Er tröstete sie und redete freundlich mit ihnen.“ (Vers 21)

Ich erzähle diese Geschichte leidenschaftlich gern in der 1./2. Klasse. Denn der Schluss ist wie ein Teil meiner eigenen Geschichte.

wie Joseph geführt

von Gott gar keine Rede

und trotzdem ganz nah

Lesen Sie ruhig nach, diese Geschichte ist nicht nur etwas für Kinder!

15.05.2020 – Andacht

„Erforscht euch selbst, ob ihr im Glauben steht; prüft euch selbst! Oder erkennt ihr an euch selbst nicht, dass Jesus Christus in euch ist?“ (2. Korinther 13,5)


Drei Mal fordert Paulus zur Selbstprüfung auf: Erforscht euch selbst – prüft euch selbst – erkennt an euch selbst. Und was wird so intensiv erfragt?

Wie es um den Glauben bestellt ist. „Im Glauben stehen“ entspricht hier „Jesus Christus in euch“.

Im Glauben stehen ist eine vertraute Wendung. Darüber kann ich mir Rechenschaft geben. Doch mein Glaube ist nach Paulus „Jesus Christus in mir“.

So habe ich das noch nie gesehen. Wie großartig wird hier mein/unser Glaube gesehen: Christus selbst wohnt in mir. Da entstehen Fragen (zum Beispiel: welche Folgen hat das?).
Und zugleich kommt Freude auf.

14.05.2020 – Andacht

„Meint ihr, dass ihr Gott täuschen werdet, wie man einen Menschen täuscht?“ (Hiob 13,9)

„Erforscht euch selbst, ob ihr im Glauben steht, prüft euch selbst! Oder erkennt ihr an euch selbst nicht, dass Jesus Christus in euch ist?“ (2. Korinther 13,5)

Mal ehrlich…wie halten wir es mit dem Glauben? Nach außen kann man vieles zeigen, was man innen nicht ist. Und umgekehrt. Manchem hätte man dies oder das nicht angesehen…Wir lassen uns oft vom Schein täuschen. Gott nicht. Gott sieht. ER sieht das Gute, unsere schönen Seiten und sieht auch das Schlechte, was uns fehlt und nicht gelingt. Wie sehe ich mich? Erkenne ich an mir selbst, dass Jesus in mir ist? Das wäre gut…

13.05.2020 – Andacht zur Tageslosung

Losungstext:
„Du allein kennst das Herz aller Menschenkinder.“ (1. Könige 8,39)

Gott ist allwissend, so wird gesagt, und die Allwissenheit ist Teil der Allmacht Gottes, die wir ja im Glaubensbekenntnis aussprechen. Für viele ist es ein bedrohlicher Gedanke (manchmal vor allem: gewesen, als Kind), dass Gott alles sieht und alles weiß. Ich bin vor Gott ein gläserner Mensch, er kennt meine Gedanken, nichts ist ihm verborgen.

Ich bin über diesen Vers gestolpert, er ließ mich staunen. Denn hier , im Gebet des Königs Salomo bei der Einweihung des Tempels, ist von einer Allwissenheit die Rede, die anders ist als eben genannt. Gott kennt nicht allein die Gedanken, er kennt das Herz aller Menschen. Also auch die Gefühle, die Sorgen, das Helle und Liebevolle wie auch das Dunkle. Das Herz aller Menschenkinder zu kennen ist letztlich etwas anderes als „Allwissenheit“. Denn wer die Herzen sieht, muss selbst ein Herz haben. Und einer, der ein Herz hat, hat keinen harten Maßstab, mit dem er alles beurteilen will.

Gott kennt die Herzen aller Menschen, er kennt auch mein Herz. Er wendet sich mir zu. Er hat Vertrauen zu mir.
Gott, du allein kennst das Herz aller Menschenkinder. auch meines. Du weißt, was mich bewegt. Du kennst auch das Herz der anderen, auch derer, mit denen ich mir schwer tue.
Wie wohltuend ist so ein Gebet.
Und ich bitte auch darum, dass ich meine Messlatte, mit der ich Menschen messen möchte, zur Seite lege, wie es auch Gott tut, weil er auf das Herz achtet.